Wein mit Korken oder Schraubverschluss - was ist besser?

Montag, 13. Juli 2020

Wein mit Korken oder Schraubverschluss - was ist besser?

Reine Geschmackssache

Neben Verschlüssen wie Glasverschluss/Glaskorken, Kunststoffstopfen (Kunststoffkorken oder auch Synthetikkorken) und Presskorken sind die beiden gängigsten und beliebtesten Verschlussarten der Naturkork sowie der Drehverschluss, der auch als Aluminium-Anrollverschluss bekannt ist. Bei der Frage, ob eine Weinflasche besser mit einem Korken oder mit einem Schraubverschluss versiegelt werden soll, scheiden sich die Geister. Beide Verschlüsse haben klare Vorzüge.

Drehverschluss

Der Drehverschluss muss sich oft mit dem Vorurteil herumschlagen, es handle sich dadurch automatisch um Wein von minderer Qualität.

Zwar macht sich dieses Vorurteil auf witzigen Bildern ganz gut, jedoch muss ganz klar gesagt werden, dass der Verschluss kein Indiz für die Qualität des Weines ist. Mittlerweile werden zahlreiche grandiose Weine mit einem Schraubverschluss versehen, da es laut der Meinung vieler Experten die bestmögliche Art ist, um Weinflaschen abzudichten. Außerdem gibt es durch den Schraubverschluss keine Verdunstungsverluste, die oft mit zusätzlichen Oxidationsrisiken bei sehr langer Lagerung einhergehen. Ein weiterer Vorteil eines Aluminium-Anrollverschlusses ist das einfache, rasche Öffnen sowie das Verschließen. Wer die Situation kennt, wenn man eine Weinflasche mit Korkverschluss vor sich, aber keinen Korkenzieher zu Hand hat, der wünscht sich in dem Moment vermutlich nichts sehnlicher als einen Drehverschluss. ;-)

Naturkork

Der Vorteil von Naturkork liegt für Weinliebhaber im Material. Zwar dichtet der Korken gut ab und schützt den Wein vor äußeren Einflüssen, jedoch lässt das natürliche Material auch kleinste Mengen an Sauerstoff durch. Der Wein könne durch den Korkverschluss besser atmen, so die gängige Meinung. Durch die minimale Sauerstoffzufuhr kann es sein, dass sich der Wein in der Flasche weiterentwickelt und ganz besondere Aromen zum Vorschein kommen, die vor allem Rotweinliebhaber sehr schätzen. Anzumerken ist hier jedoch, dass sich Wein auch ohne zusätzliche Sauerstoffzufuhr in der Flasche gut entwickelt, da sich auch bei Flaschen mit Schraubverschluss ein kleiner Rest an Sauerstoff in der Flasche befindet.

Doch das natürliche Material hat auch Nachteile. So kann der Naturkorken mit der Zeit porös werden (vor allem, wenn die Flasche stehend gelagert wird) und die Flasche nicht mehr optimal abdichten. Dadurch können Fremdgerüche eindringen und den Geschmack negativ verändern.

Außerdem kann der Korken den Stoff TCA (Trichloranisol) bilden. Dieser entsteht, wenn chlorhaltige Substanzen mit dem Phenol im Naturkork reagieren. Schimmelpilze entstehen als Produkt dieser chemischen Reaktion, welche zum sogenannten Korkton, Korkschmecker oder Korker führt. Dabei handelt es sich um einen Korkfehler, der den Geschmack ebenfalls verderben kann. Dass ein Wein korkt, erkennt man zunächst am leicht muffigen Geruch. Aber auch der Schraubverschluss ist nicht gänzlich vor dem Korkton gefeit. In diesem Fall kann sich statt TCA TBA (Tribromanisol) bilden, welches durch behandeltes Holz oder Weinkartons in den Schraubverschluss und damit in den Wein gelangen kann. Dies ist jedoch die Ausnahme, denn grundsätzlich genießen Drehverschlüsse den Ruf, dass Korkfehler praktisch ausgeschlossen sind.

Fazit

Der Drehverschluss steht dem Korken in nichts nach. Er erfüllt alle Kriterien, die an einen Verschluss gestellt werden (dichtet gut ab, schützt vor äußeren Einflüssen, lässt den Wein nachreifen), hat jedoch den Vorteil, dass ein Verkorken des Weins nahezu auszuschließen ist. Jedoch kann er nicht das dezente Korkaroma an den Wein weitergeben, das vor allem Rotweinliebhaber sehr schätzen. Und auch das Ritual des Entkorkens ist beim Schraubverschluss nicht gegeben. Für viele Weinliebhaber ist das Grund genug, den Korken zu bevorzugen, da für sie auch das Öffnen der Flasche mithilfe des Korkenziehers Teil des Genusses ist. Im Preisvergleich hat der Drehverschluss mit wenigen Cent pro Stück ganz klar die Nase vorne. Ein wirklich guter Naturkorken kann schon mal einen Euro pro Stück kosten, was sich im erhöhten Preis des Weines widerspiegelt. Wobei man das natürlich vernachlässigen kann, wenn man sich einen edlen Tropfen gönnen möchte.

Alles in allem scheint der Drehverschluss die bessere bzw. sicherere Wahl, da man unliebsame Korkfehler ausschließen kann. Nichtsdestotrotz bleibt die Entscheidung, ob man nun Wein mit Drehverschluss oder Naturkork wählt, eine Geschmacks- oder auch Genusssache. ;-)

Eines ist jedenfalls sicher: Sowohl in einer Flasche mit Naturkork als auch mit Schraubverschluss kann sich Wein von außerordentlich guter Qualität befinden.

Fotocredits: Mauro Lima via Unsplash